Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Patientenorganisationen forderten dort gemeinsam mit dem MD BB umfassende Gesundheitsreformen aus einem Guss. Übereinstimmend zeigten sich alle bereit, Gesundheit künftig noch gemeinsamer zu gestalten und entwickeln. Denn: Allein können die einzelnen Akteure des Gesundheitswesens nur wenig bewegen.
Länder fordern umfassende Lösungen
Ellen Haußdörfer (Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege) und Michael Zaske (Abteilungsleiter Gesundheit im Brandenburger Ministerium für Gesundheit und Soziales) forderten Gesundheitsreformen, welche die Krankenhäuser, den Rettungsdienst und die ambulante Versorgung abgestimmt umfassen.
So müssen zukünftig vor allem regionale sektorenübergreifende Ansätze gestärkt werden. In der Gesundheitslandschaft von Berlin-Brandenburg gibt es bereits zahlreiche Pilotvorhaben. Um jedoch von solchen Einzel- hin zu Regellösungen zu kommen, müssen die Bundesländer zukünftig legitimiert werden, die ambulante Versorgung stärker selbst zu steuern. Eine entsprechende Änderung im Fünften Sozialgesetzbuch wäre ein drängender Tagesordnungspunkt auf der Agenda für die nächsten Gesetzgebungsverfahren.
Einigkeit zeigten Haußdörfer und Zaske auch darin, dass der Versorgungsbedarf der Bevölkerung angesichts von demografischem Wandel und Fachkräftemangel nur durch einen gezielteren Umgang mit Personal- und Finanzressourcen gesichert werden kann. Aus den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD kommen diesbezüglich positive Zeichen.
Den unabhängigen MD BB sehen Haußdörfer und Zaske als wichtige beratende Expertenorganisation. Aufgrund seiner umfassenden Begutachtungs- und Prüferfahrungen hat er für sie gerade bei der Umsetzung von Gesundheitsreformen eine entscheidende Rolle und kann als wichtiger Brückenbauer fungieren.
Aufwandsarme, qualitätsbewusste, transparente und neutrale Begutachtungen
Für den MD BB zeigten Dr. Birgit Heukrodt, Leiterin des Geschäftsbereichs Medizin, und Marcel Silbernagel, Leiter des Geschäftsbereichs Pflege, dass der Dienst sich auf gesetzliche Änderungen im Zuge von Krankenhaus- und Pflegereformen gut vorbereitet hat. Dabei sei es wichtig, die Themen Medizin und Pflege stärker gemeinsam zu denken. Heukrodt und Silbernagel betonten, dass die Gesellschaft weiter auf aufwandsarme, qualitätsbewusste, transparente und neutrale Begutachtungen des MD BB bauen kann.
Patientinnen und Patienten mehr beteiligen
Ursula Gaedigk, Patientenbeauftragte für Berlin, lobte die Zusammenarbeit mit dem MD BB und dessen handelnden Personen in Bezug auf Patientenanliegen. Besonders hob sie das Beschwerdemanagement, die Kundenbefragungen und die Arbeit der Unabhängigen Ombusperson hervor. Der MD BB unterstützt die Versicherten bei Fragen mit einer informativen Webseite. Für Gaedigk ist wichtig, die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie der Angehörigen zu sehen und mit ihnen im Dialog zu stehen.
Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, ehemaliges Mitglied des Ethikrates, hielt fest, dass Ökonomie und Ethik kein Spannungsfeld sein müssen. Er stellte den Zusammenhang zwischen dem Menschenrecht auf Gesundheit und unseren sozialmedizinischen Gutachten dar. Hier gilt es immer wieder abzuwägen, was für den Einzelnen wünschenswert und auf der anderen Seite medizinisch notwendig ist. Er hielt fest, dass allein aus Gründen der Solidarität ein ökonomischer Mitteleinsatz im Gesundheitswesen bei knappen Mitteln ethisch geboten ist.
Astrid Weingardt, 1. Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Brandenburg e. V., verwies auf zahlreich vorhandene Patientenrechte. Allerdings kennen viele Patientinnen und Patienten häufig ihre Rechte nicht oder haben in Teilen Angst, dass ihre Versorgung leiden könnte, wenn sie diese in Anspruch nehmen. In ländlichen Gebieten sei teilweise keine Versorgung mehr möglich, die den Patientenrechten entspräche. Sie regte an, dass der Medizinische Dienst Zweitmeinungen anbieten könnte. Weingardt ist eine von fünf Mitgliedern im Verwaltungsrat des MD BB, die von Patienten, -Betroffenen- und Verbraucherschutzverbänden entsandt werden.
Am Beispiel der Begutachtung von Außerklinischer Intensivpflege zeigte Dr. Ina Jovanovic, stellvertretende Leiterin der entsprechenden Abteilung des MD BB, auf, wie unser Dienst mit ethischen Fragen zur Begutachtung umgeht. Leidenschaftlich forderte sie die Anwesenden auf, sich selbst und im Familienkreis frühzeitig mit dem möglichen Verlust der eigenen Autonomie auseinanderzusetzen. Die beste Möglichkeit, die eigenen Wünsche zu formulieren und damit die Angehörigen in schweren Zeiten zu unterstützen, ist die eigene Patientenverfügung.
Prävention zu Volkskrankheiten stärken
Einige wenige Krankheiten verursachen große gesundheitliche Schäden. Ein Beispiel dafür ist Adipositas (Fettleibigkeit).
Eine versteckte Pandemie nannte sie Dr. Lukas Maurer, Oberarzt der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin der Berliner Charité. Er schilderte die weltweite Verbreitung von Adipositas und den entsprechenden Handlungsbedarf. Dr. Mark Dankhoff, Vorstandsmitglied des Im Puls. Think Tank Herz-Kreislauf e. V., beschrieb die zahlreichen Risikofaktoren von Adipositas und plädierte für viel stärkere individuelle und gesellschaftliche Prävention. Marion Rung-Friebe, 2. Vorsitzende des Adipositas Verbandes Deutschland appellierte, die Betroffenen ernst zu nehmen und die Versorgung dieser lebenslangen Krankheit zu verbessern.
Adipositas begegnet dem MD BB bei Begutachtungen häufig. Dr. Susanne Kapell, Referentin Arzneimittel und Dr. med. Ralf Wamprecht, Regionalleiter des MD BB, illustrierten, wie der MD BB bei der Begutachtung auf diesem Gebiet für Qualität und Empathie sorgt.
Digitalisierung nutzt der Versorgung
Simon Blaschke vom Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 stellte dar, welches Potenzial die Digitalisierung für die Schließung von Versorgungslücken in der Pflege hat, damit Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können.
Dr. Mina Baumgarten vom Vivantes-Netzwerk für Gesundheit beschrieb, in welchen Bereichen die Vivantes Häuser aktuell KI einsetzen, um die Teams in den Häusern zu entlasten oder Krankheiten, wie die Sepsis, bereits vor Ausbruch zu erkennen.
Welche Versorgungsbereiche dies in der Region Berlin-Brandenburg betreffen könnte, verdeutlichten Dr. Daniel Dettling und Marcus Beck vom Gemeinnützigen Verein zur Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und eHealth Business.
Dass der MD BB nicht wartet, bis der Digitalisierungszug kommt, sondern er eigene Modelle aufs Gleis setzt, bewies Dr. Lars Töpfer, stellvertretender Leiter der Stabsstelle Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement. Insbesondere schilderte Dr. Töpfer die Chancen für qualitätsgesicherte und laienverständliche Gutachten.
Miteinander statt nebeneinander: Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Der Vorsitzende des Vorstandes und Leitende Arzt, Dr. Axel Meeßen, zeigt sich unterstützungsbereit: „Dieser Impuls-Tag ist ein starkes Zeichen der gemeinsamen Verantwortung. Wenn Politik, Wissenschaft, Praxis und Patientenvertretungen zusammenarbeiten, entstehen nachhaltige Lösungen. Dafür teilen wir unser Wissen und unsere Erfahrungen gern und beraten unsere Partnerinnen und Partner im Gesundheitswesen.“
Hintergrund:
Der Medizinische Dienst Berlin-Brandenburg führt im Auftrag der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen Berlins und Brandenburgs sozialmedizinische und pflegefachliche Einzelfallbegutachtungen durch, die sich auf die Versorgung einzelner Versicherter beziehen. Darüber hinaus berät der Medizinische Dienst diese Kassen und ihre Verbände in entsprechenden Grundsatzfragen.